HNO Zentrum Starnberg

Phoniatrie (Stimm- und Sprachstörungen) und Pädaudiologie

Stimme und Sprache sind- in Kombination mit einem intakten Gehör zu Sprachwahrnehmung - entscheidend für die zwischenmenschliche Kommunikation. Entsprechend können Erkrankungen , die mit einer längerfristigen Störung von Stimme und Sprache einhergehen, ebenso wie Einschränkungen der Hörfunktion (hier Hinweis auf den Punkt ‚Hörstörungen, Tinnitus, Schwindel), in die soziale Isolation führen. Für Patienten, die beruflich auf eine intakte Funktion von Stimme und Sprache angewiesen sind, wie bspw. Sänger oder Lehrer, bedeutet der Verlust der Sprachfunktion u.U. das Ende der beruflichen Existenz. Diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig eine adäquate Diagnostik und Behandlung derartiger Veränderungen ist. In unserem Zentrum hat die ‚Stimm- und Sprachheilkunde‘ eine lange Tradition. Schon Dr. Zimmermann, der die Praxis am Prinzenweg vor über 60 Jahren gründete, hat auf diesem Gebiet bereits in den 30ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts während seiner Tätigkeit an der Universitäts-HNO-Klinik in München Pionierarbeit geleistet und war auf diesem Gebiet weit überregional bekannt. Die Phoniatrie und Pädaudiologie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen, Hörstörungen bei Kindern und Schluckstörungen und war lange Zeit ein Teilgebiet der HNO, bevor es sich in den 90iger Jahren als eigenständige Facharztdisziplin etablieren konnte. Mit welchen Krankheitsbildern beschäftigen sich “ Phoniatrie und Pädaudiologie “?

I Sprachentwicklungs - und Hörstörungen bei Kindern

Den Erwerb von Sprache , Lesen und Rechtschreibung nehmen wir als Selbstverständlichkeit wahr . Entsprechend macht sich kaum jemand Gedanken über die komplexen Vorgänge der Sprachentwicklung. Vielfach werden Eltern erst hellhörig , wenn sie merken , dass der Sprachstatus ihres Kindes nicht dem Gleichaltriger entspricht. Dies kann sich bereits in den ersten Lebensjahren eines Kindes bemerkbar machen, z.B. wenn ein Kind mit 11/2 Jahren noch keine oder nur sehr wenige Wörter spricht. Die Variationsmöglichkeiten sogenannter Sprachentwicklungsstörungen ist gross; zur genauen Differenzierung bedürfen sie deshalb einer adäquaten Diagnostik , fachkundiger Beratung der Eltern und der Einleitung entsprechender therapeutischer Maßnahmen. Die Einschätzung des Facharztes ist dabei sehr wichtig , insbesondere um festzustellen , ob es sich um eine leichte Verzögerung der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes oder aber um eine schwerwiegende Störung handelt , die im Rahmen einer allgemeinen Entwicklungsstörung aufgetreten ist. Zur Differenzierung der Sprach-Sprechstörung verwenden wir gezielt Sprachscreeninguntersuchungen . Bereits ab dem 2. Lebensjahr kann man den Sprachstatus und das Sprachverständnis eines Kindes ermitteln. Mit spezifischen Elternfragebögen ( ELFRA 1 und 2) haben wir sogar die Möglichkeit Sprachentwicklungstendenzen ab dem 1. Lebensjahr eines Kindes abzuschätzen. Da das Hörvermögen für die Sprachentwicklung eine fundamentale Grundvoraussetzung ist , wie schon der allgemeine Begriff der “Taubstummheit “ suggeriert , gehört auch die Abklärung der Hörfähigkeit eines Kindes (siehe auch Neugeborenen- Hörscreening) zu den Aufgaben des Phoniaters , sodass das Fachgebiet der Phoniatrie um den Spezialbereich der Pädaudiologie ( = kindliche Hörabklärung ) erweitert wurde. Spezifische hördiagnostische Maßnahmen sind erforderlich , um Erkrankungen des “ Gehöres “ gezielt abzuklären . Dazu zählen die ohrmikroskopische Beurteilung , Prüfung der Trommelfellschwingung, Untersuchung des Innenohres mit objektiven Hörtests ( Ermittelung der otoakustischen Emissionen ) , sowie die Hörschwellenbestimmung mit einer Verhaltensaudiometrie bei Kleinkindern und altersangepasste Sprachhörtests. In bestimmten Fällen muss eine Abklärung der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung durchgeführt werden . Wir messen dabei das Sprachverständnis eines Kindes , wobei während des Sprachhörtests gleichzeitig ein Störgeräusch einsetzt wird, um z.B. den in Schulklassen oft vorherrschenden Lärmpegel zu simulieren. Die Übermittlung des in der Hörschnecke aufgenommenen und an den Hirnstamm „ weitergereichten“ Hörpotentials kann mit Hilfe eines komplexen sogenannten “ dichotischen “ Sprachhörtests überprüft werden. Stottern-Poltern Eindrucksvoll wurde uns in dem bekannten Film “ The Kings Speech “ die Leiden eines Menschen mit Redeflussstörung ( Stottern / Poltern ) demonstriert . Durch derartige Darstellungen verunsichert, stellen sich immer wieder verzweifelte Eltern mit ihrem stotternden Kind in der Sprechstunde vor und wünschen eine ärztliche Einschätzung , Beratung und Behandlungsvorschläge. Obwohl auch unter Normalbedingungen in einem Gespräch immer wieder Wortwiederholungen und Pausen auftreten , macht sich ein nicht flüssiger Sprechablauf erst dann deutlich bemerkbar , wenn 15 % der gesprochenen Wörter wiederholt werden oder 20 % der Sprechzeit aus Pausen besteht. Solche Sprechunflüssigkeiten , die auch als „physiologische Sprechunflüssigkeit“ bezeichnet werden , treten bei bis zu 80% aller Kinder während des Spracherwerbs auf. Allerdings befinden sich Kinder in dieser Zeit auch in einer sogenannten stottersensiblen Risikophase. 5% dieser Kinder gelten als gefährdet, ein manifestes Stottern zu entwickeln. Werden Kinder mit entsprechender Symptomatik in der stottersensiblen Risikophase vorstellig , so ist ein intensives Beratungsgespräch mit den Eltern sehr wichtig. Ein unkontrollierter Hyperaktionismus kann unter Umständen ein manifestes Stottern provozieren. Die fachärztliche Einschätzung , in welchem Stadium sich die Stottersymptomatik eines Kindes befindet und ab welchem Zeitpunkt eine Behandlung einsetzen sollte , ist deshalb von entscheidender Bedeutung.

II Stimmstörung - Singstimmstörung

Beschäftigt man sich ausführlich mit den anatomischen und physiologischen Grundlagen der Stimmgebung , so fasziniert einen immer wieder die Komplexität eines Systems , welches durch ein Zusammenspiel von Lunge , Kehlkopf , Vokaltrakt und dem zentralen Nervensystem eine Stimmbildung ermöglicht . Man spricht auch vom sogenannten “stimmbildenden Organ“ , auch wenn es sich nicht um ein Organ im klassischen Sinne ,sondern mehrere anatomische Einheiten handelt. Vereinfacht dargestellt wird die Ausatemluft von den Lungen benutzt , um an den eng gestellten Stimmlippen ( in der Umgangssprache auch Stimmbänder genannt ) eine Schwingung und damit einen Klang zu erzeugen. Dieser Klang wird dann im Rachenraum wie auch im Mund-und Nasenraum umgeformt , sodass jeder Mensch einen für sich typischen “ Stimmklang “ besitzt. Deshalb ist es zum Beispiel möglich beim Telephonieren einen Menschen nur durch den Klang seiner Stimme zu identifizieren. Störungen im stimmbildenden Organ führen meistens zur Heiserkeit oder zu einem gestörten Stimmklang. Dies kann viele Ursachen haben und bedarf deshalb einer fachärztlichen Untersuchung. Man unterscheidet organische Stimmstörungen mit Veränderungen an Stimmlippen bzw. Kehlkopf , von funktionellen Stimmstörungen , die durch ein muskuläres Ungleichgewicht bedingt und somit Ausdruck eines unausgeglichenen Zusammenspiels der Kehlkopfmuskulatur sind. Organische Veränderungen sind z.B. Entzündungen , gut-und bösartige tumoröse Prozesse , angeborene Erkrankungen u.a.m. Bei den funktionellen Störungen bestehen Fehlfunktionen im muskulären Gleichgewicht , sodass der Patient trotz fehlender anatomischer Veränderungen an den Stimmlippen einen heiseren Stimmklang hat. Auch psychische Einflüsse können hierbei eine Rolle spielen. Sehr wichtig sind die Funktionsstörungen bei stimmbelasteten Menschen, wobei in der Fachsprache die Sprech-Sprecherstimme von der Sing-Sängerstimme differenziert wird. Der Unterschied zwischen diesen „beiden“ Stimmen ist dabei graduell , d.h. das Gespräch im Alltag bedarf einer eher geringen Stimmbelastung. Berufssprecher wie beispielsweise Lehrer unterziehen ihre Stimmgebung täglich einer Dauerbelastung, der Sänger hingegen ist der „stimmliche Hochleistungssportler“. Jeder für sich kann im Rahmen seiner Stimmbelastung Probleme entwickeln. Im ungünstigsten Fall führt eine Stimmstörung zu einer Berufsunfähigkeit. Die Ursache der Stimmerkrankung wird mit Hilfe endoskopischer Maßnahmen sowie einer Stimmanalyse ermittelt. Eine Demonstration des Befundes und eine intensive Beratung helfen die Ursache von Stimmproblemen zu verstehen. In Abhängigkeit vom Untersuchungsergebnis wird dann die adäquate Behandlungsmassnahme festgelegt. Im Vordergrund der Behandlungsoptionen steht meist die konservative Therapie, d.h. durch eine Logopädin. Die Kooperation zwischen dem HNO-Arzt/ Phoniater und der Logopädin ist immer sehr wichtig. Wird die Stimmstörung durch organische Erkrankungen am Kehlkopf verursacht , ist unter Umständen ein operativer Eingriff notwendig. Oft kann durch eine Operation eine Verbesserung des Stimmklanges erreicht werden (sogenannte “ phonochirurgische Eingriffe “). Durch feinste Schnitte und Schleimhautverlagerungen unter mikroskopischer Führung werden optimale anatomische Verhältnisse auf den Stimmlippen geschaffen und somit eine Klangverbesserung erreicht.

III Schluckstörungen , Sprach-Sprechstörungen bei neurologischen Erkrankungen

Die Phoniatrie beschäftigt sich außerdem mit Patienten , deren Schluckakt nicht mehr einwandfrei funktioniert . Die Schluckmotorik unterliegt wie die Stimmgebung und das Sprechender Kontrolle des Zentralen Nervensystems. Neurologische Störungen können den Schluckablauf beeinträchtigen , wobei wir im Rahmen unserer Sprechstunde Schluckuntersuchungen mit Hilfe von flexiblen Endoskopen durchführen und dabei die Art und den Schweregrad der Schluckstörung beurteilen können. Am häufigsten sind Patienten nach einem Schlaganfall betroffen.. Hier gilt es dann neben der Schluckeigenschaft auch die begleitende zentrale Sprach-Sprechstörung zu beurteilen.

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